• Dr. Renoirte

Angst vorm Kinderarzt

Aktualisiert: 28. Apr. 2021

Was Eltern tun können, wenn das Kind Angst vorm Kinderarzt hat

In meiner kinderärztlichen Sprechstunde erlebe ich bei meinen Patient*innen die unterschiedlichsten Temperamente.


Das eine Kind lächelt mich an, ist gut gelaunt und lässt sich auf das Gespräch und die Untersuchung offen und mit Neugier ein. Das andere muss sich erst an mich gewöhnen und taut im Laufe der Untersuchung oder auch erst nach regelmäßigen Wiedervorstellungen auf. Und manche Kinder ziehen sich zurück, verstecken sich im Kleinkindalter auf dem Schoß der Eltern, lehnen eine Kontaktaufnahme zu mir ab, schreien lautstark und wehren die Untersuchung ab. In solchen Situationen frage ich mich natürlich, wie ich es dem Kind leichter machen könnte und versuche mit viel Einfühlsamkeit und Herzlichkeit auf das Kind zuzugehen.


Jedes Kind ist anders und einzigartig und passt sich unterschiedlich gut oder schnell an neue Situationen an.


Gerade bei Kindern, die sich in neuen Situationen wie beim Kinderarzt unwohl fühlen und sich zurückziehen, können Eltern sich aber auch über die positiven Aspekte dieses Temperamentsmerkmals freuen. Diese Kinder sind unter Fremden vorsichtiger und sie haben ihren eigenen Willen und folgen nicht blind den Aufforderungen anderer.


Aber was können Eltern tun, um ihren Kindern in diesen Situationen zu helfen?


Natürlich wäre es schön, wenn ein Kind immer seinem Temperament gemäß leben könnte, aber man möchte dem Kind ja auch nicht die Möglichkeit nehmen, Neues zu bewältigen. Und einen Kinderarztbesuch muss ja auch manchmal sein.


Jedem Kind hilft es, gut auf den Kinderarztbesuch vorbereitet zu werden. Schauen Sie sich zusammen ein Buch darüber an und/oder spielen Sie gemeinsam zuhause Kinderarzt und zeigen so, was bei einer kinderärztlichen Untersuchung passiert. Auch wenn Sie selbst vielleicht ungute Erinnerungen an ihre eigenen Kinderarztbesuche haben, empfehle ich Ihnen den anstehenden Termin als etwas Positives zu vermitteln.


»Es gibt kein Alter, in dem alles so irrsinnig intensiv erlebt wird wie in der Kindheit. Wir Großen sollten uns daran erinnern, wie das war.« Astrid Lindgren

Sie könnten ihrem Kind mitteilen, dass sie wissen, dass es Angst hat und sie es nicht alleine lassen werden.


Erscheinen Sie ein paar Minuten früher in der Praxis, damit ihr Kind in Ruhe ankommen kann und die Möglichkeit hat, sich an die Situation zu gewöhnen. Das Lieblingskuscheltier ist auch herzlich willkommen.


Wenn ihr Kind dann weint und die Untersuchung abwehrt, bleiben Sie gelassen und zeigen Verständnis. Wenn Sie merken, dass Sie selbst sehr angespannt dabei sind und sich das auf ihr Kind überträgt, planen Sie doch den nächsten Termin mal in Begleitung des anderen Elternteils.

Ablenkung mit dem Handy hilft meiner Erfahrung nach eher nicht, die Kinder brauchen jetzt den Kontakt zu Ihnen.


Ältere Kinder haben vielleicht keine Angst mehr vor mir als Person, da sie im Laufe ihres Lebens schon einige solcher Situationen erlebt und bewältigt haben. Frage ich meinen sechsjährigen Sohn, warum er nicht zu seinem Kinderarzt möchte, sind es ganz klar die Impfungen und die Corona-Abstriche, die er fürchtet. Auch hier hilft es gut auf die Situation vorzubereiten und dem Kind zu erklären, warum diese Prozeduren für die Gesundheit notwendig sind.


Ich freue mich über jedes einzelne Kind, dass zu mir in die Praxis kommt!