• Dr. Renoirte

Kita-Eingewöhnung zu Zeiten von Corona

Aktualisiert: 1. Mai 2021

Fällt es Säuglingen und Kleinkindern durch den Lockdown und dem „social distancing“ schwerer in die Kita eingewöhnt zu werden?

Die Corona- Pandemie wirkt sich ohne Frage auf unser aller Leben nachhaltig aus. Als Kinderarzt mache ich mir natürlich viele Gedanken, was es für unsere Kleinsten bedeutet, in die Pandemie hineingeboren zu werden.

In meiner kinderärztlichen Sprechstunde werde ich von den Eltern gefragt, ob sich ihre Kinder, die sich an das Leben vor Corona nicht erinnern können bzw. noch nicht geboren wurden, bei der Kitaeingewöhnung schwerer tun. Die Eltern sind besorgt, weil ihre Kinder noch keine Erfahrung mit Trennungen machen konnten, da sie aus Sorge um die Großeltern, den Kontakt meiden und auch keinen Babysitter in Anspruch nehmen wollen. Außerdem haben sie durch das Leben in ihrer kleinen „social bubble“ wenig Kontakt zu anderen Kindern oder fremden Erwachsenen.

Ich möchte hier meine Gedanken zu diesem Thema teilen.

Das nigerianische Sprichwort „Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf“ haben sicherlich viele schon gehört. Gemeint ist damit, dass Kinder in einem sozialen Gefüge aufwachsen, dass sie mehrere Ansprechpartner oder Bezugspersonen haben, aber auch, dass die Eltern entlastet werden können.In unserer Gesellschaft besteht das Dorf aus Großeltern, Verwandten, Freunden, Erzieher*innen und Lehrer*innen und anderen Kindern.

Daher ist es für die Eltern und Kinder ohne Frage von Vorteil, dass die Krippen, Kindergärten und Grundschulen auch während der Pandemie geöffnet haben und dass es in Zeiten höherer Inzidenzen die Möglichkeit der Notbetreuung gibt.

Was können Eltern jedoch erwarten, wenn ihr Kind noch vollständig zuhause betreut wird? Was macht der fehlende Kontakt zu anderen Kindern aus?

Müssen Trennungen geübt werden?


Müssen Trennungen vor der Krippen- und Kindergarteneingewöhnung wirklich geübt werden? Oder geht es nicht bei Trennungen immer darum, dass das Kind eine vertrauensvolle Beziehung zur neuen Bezugsperson/Erzieher*in aufgebaut hat? Ein Kind, das schrittweise und behutsam an die Erzieher*innen, an die anderen Kinder und an die Umgebung gewöhnt wird, kann, wenn ihm Zeit gegeben wird, welches es individuell braucht, Vertrauen fassen. Und das unabhängig von Corona.

Vielleicht bringt die Pandemie für die Eingewöhnung sogar einen Vorteil mit. Die Gruppen sind kleiner, es gibt weniger Unruhe, weil die Kinder in festen Gruppen bleiben - ein offenes Kita-Konzept kann nicht angeboten werden kann. Außerdem laufen die Eingewöhnungen der neuen Kinder zeitlich getrennt ab, es sind also weniger fremde Erwachsene in der Gruppe.


Was macht der fehlende Kontakt zu anderen Kindern mit unseren Kindern? Was bedeutet es für die Eingewöhnung?

Bei älteren Kindern - ab zwei und aufwärts - merken wir in unserer täglichen Arbeit natürlich schon, ob diese im Alltag Kontakt zu anderen Kindern haben oder ob sie vor allem in ihrer Kleinfamilie sozialisiert sind, d.h. ihre Zeit vor allem mit Erwachsenen verbringen. Sie tun sich anfangs vielleicht ein bisschen schwerer mit der Eingewöhnung in die Kita, weil ihnen der Umgang mit so vielen anderen Kindern unbekannt ist.

Sie müssen eventuell einige soziale Kompetenzen noch erwerben, sei es sich an Regeln und Routinen zu halten, Grenzen der anderen Kinder wahrzunehmen und die Aufmerksamkeit der Erwachsenen teilen zu müssen. Sie können anfangs auch vom Trubel einer Kita überwältigt sein.

Auch hier komme ich zum Schluss, dass diese Kinder von einer ruhigeren Eingewöhnung profitieren können. Man kann sich durchaus vorstellen, dass sie etwas mehr Zeit brauchen, um eingewöhnt zu werden, Vertrauen zu fassen und sich wohl zu fühlen. Vielleicht muss man mit mehr Konflikten rechnen.

Ich persönlich denke jedoch, dass es für die meisten Kinder eine große Freude bedeutet, mit anderen Kindern zusammen sein zu dürfen, und dass sie sich nach der langen Zeit der Kontaktmeidung auf ihre Zeit in der Krippe und im Kindergarten freuen werden.

Die Eingewöhnung sollte als Chance gesehen werden, wir können den Kindern vermitteln, dass sie stolz auf sich sein dürfen, diese Herausforderung zu bewältigen.

Wie man Kinder zuhause während des Lockdowns beschäftigen und bei Laune halten kann, werde ich als Kinderarzt auch häufig gefragt. Dazu mehr in den nächsten Blogeinträgen!

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