• Dr. Renoirte

Kinderarzt München: Coronaimpfung für Kinder nach EMA-Zulassung

Am 25.11.2021 hat die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) den Impfstoff von Biontech/Pfizer in einer Dosierung von 10 Mikrogramm für die 5 -bis 12- jährigen Kinder freigegeben.



Klinikum Großhadern am 25.11.21 (von Mitarbeitern der LMU in Photoshop nachbearbeitet)


Die klinischen Untersuchungen zeigten nach Angaben von Biontech/Pfizer, dass der Impfstoff sicher und wirksam ist. Milde Impfreaktionen wie Fieber, Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit und Kopfschmerzen seien aufgetreten, aber keine schweren Nebenwirkungen.


Aufgrund der niedrigen Dosierung der Kinderimpfung (1/3 der Dosis ab 12 Jahren) soll vor Weihnachten ein eigener Kinderimpfstoff von Biontech/Pfizer bereitgestellt werden.


Auch die ständige Impfkommission möchte ihre Empfehlung für die Kinderimpfung Ende des Jahres verkünden.


Aufgrund der hohen Inzidenzen sind Eltern zurecht um die Gesundheit ihrer Kinder besorgt. Auch wenn Kinder selten unter akuten Komplikationen von Covid-19 zu leiden haben, stellt die Infektion ein Risiko für die Kinder dar. PIMS (pediatric inflammatory multisystem syndrome) ist eine Spätfolge der Coronavirusinfektion bei Kindern dar. Die deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie e.v. (DGPI) erfasst die gemeldeten PIMS-Fälle seit Mai 2020. Bislang wurden 464 dieser Fälle gemeldet, mit einem Gipfel im Dezember 2020, als besonders viele Kinder wegen einer Covid-19-Infektion im Krankenhaus waren.

Aufgrund der rasant zunehmenden Inzidenzen ist also auch mit einer steigenden Anzahl an PIMS zu rechnen. Die meisten Kinder mit PIMS werden intensivmedizinisch behandelt, Folgeschäden sind selten und tödliche Verläufe gab es nicht.


Auch das LongCovid wird von vielen Eltern befürchtet. Hier zeigt sich eine Persistenz der Symptome der Infektion oder es treten neue Symptome nach einer durchgestandenen Infektion auf. Dieser Symptomkomplex umfasst sowohl ein breites Spektrum an unspezifischen Beschwerden als auch objektiver Befunde. LongCovid kann sich auch nach milden Verläufen etablieren.


Aufgrund der aktuellen Inzidenzen können alle ungeimpften Personen - auch Kinder - mit einer Infektion mit SarsCov-2 rechnen. Als Kinderarzt, aber auch als Mutter bin ich enttäuscht, dass wir unsere Kinder nicht durch eine bessere Impfquote in Deutschland schützen konnten.

Aktuell können sich Eltern also zwischen der Impfung oder der Infektion entscheiden. Auch wenn die Ergebnisse der klinischen Studien nur milde Nebenwirkungen der Impfung gezeigt haben, wird die Sicherheit und Wirksamkeit weiterhin streng überwacht, da gewisse Nebenwirkungen eventuell auch erst gesehen werden, wenn eine größere Anzahl an Kindern geimpft wurden.


Als Kinderarzt habe ich Verständnis für Eltern, die nun ihre Kinder so schnell wie möglich schützen wollen, aber auch für diejenigen, die aktuell noch seltene Nebenwirkungen der Impfungen fürchten.




Bleiben Sie gesund!


Dr. Esther Renoirte, Kinderarzt München




Quellen:

https://www.ema.europa.eu/en/news/comirnaty-covid-19-vaccine-ema-recommends-approval-children-aged-5-11

Dtsch. Arztebl 2021; 118(24): 1-1217/B-1003

https://dgpi.de/pims-survey-update/



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